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  • Katharina Kahl

Das seelische Immunsystem - Resilienz bei Kindern fördern

Aktualisiert: 25. März 2020


„Was die Raupe Ende der Welt nennt, nennt der Rest der Welt Schmetterling.“ Laotse


Die Fähigkeit, trotz widriger Umstände weiterzumachen, sich nicht so leicht unterkriegen zu lassen und negativen Erlebnissen mit positiver Energie entgegenzuwirken nennt man „Resilienz“. Etwas, dass nicht nur Erwachsene, sondern mehr als je zuvor unsere Kinder brauchen.

Wie werden Kinder zu starken Persönlichkeiten? Wie lernen sie, mit Enttäuschungen, Niederlagen und Frustration umzugehen? Wie können wir als Eltern unsere Kinder auf diesem Weg unterstützen?

Kinder sind grundverschieden. Nicht nur ihre körperlichen, persönlich-emotionalen und intellektuellen Beschaffenheiten, sondern auch ihr Umfeld unterscheidet sich von dem ihrer Altersgenossen: Eltern, Geschwister, Verwandte, kulturelle Identität, Krisenerfahrungen, außerfamiläre Kontakte, Lernerfahrungen. Kurz gesagt: Kein Kind ist dem anderen gleich in dem, wie, mit wem und wo es aufwächst und wie es die Erfahrungen, die es in diesem Umfeld macht, verarbeitet und nutzt.

Als Eltern haben wir Einfluss darauf, was unser Kind erlebt, und wie sich diese Erlebnisse auf seine weitere Entwicklung auswirken.


I.Was ist Resilienz und wie entsteht sie?


A. Definition: Resilienz


Grundsätzlich bezeichnet das Wort Resilienz so viel wie Spannkraft, Widerstandsfähigkeit, Elastizität und kommt ursprünglich aus der Physik. Auf Menschen bezogen wird es für die Fähigkeit gebraucht, trotz widriger Umstände oder in schwierigen Situationen konstruktiv und handlungsfähig zu bleiben und positive Ergebnisse zu erzielen. Man könnte diese psychische Widerstandsfähigkeit auch das „Immunsystem der Seele“ nennen. Wer gelernt hat, konstruktiv mit Krisen umzugehen, den haut so schnell nichts um.


B. Gute Voraussetzungen für die Entwicklung von Resilienz


Es gibt sogenannte protektive Faktoren, die die psychische Widerstandsfähigkeit von Kindern und Erwachsenen kennzeichnen. Diese Faktoren sind bei allen Menschen unterschiedlich ausgeprägt. Menschen mit hoher Resilienz fühlen sich sicher und stark, sie wissen, dass sie durch eigene Leistung eine Situation verändern können. Statt resigniert einzuknicken, suchen sie in kritischen Situationen nach Möglichkeiten, die Situation zu ihrem Vorteil zu verbessern.


Auf der einen Seite steht also eine emotionale Sicherheit, das Wissen geliebt und anerkannt zu sein. Dieses erlebt ein Kind, indem es verlässliche und beständige Bindungen zu seinen erwachsenen Bezugspersonen aufbauen kann. Diese begegnen ihm mit Freundlichkeit und Stabilität. Das bedeutet, dass sie dem Kind Freiräume zur eigenen Gestaltung geben und gleichzeitig auch die zugehörigen Grenzen, die diese Freiräume umgeben und wiederum sicher machen. Diese Grenzen beziehen sich auf dem Umgang mit anderen und das Einhalten von abgesprochenen Regeln und Werten.


Aus dieser Sicherheit heraus kann sich auf der anderen Seite auch die eigene innere Stärke entwickeln. Durch Wertschätzung, einen respektvollen Umgang, Anerkennung der eigenen Entwicklungsschritte und Leistungen sowie einem wertschätzenden, aber festen Umgang bei Grenzüberschreitungen kann ein Kind lernen, dass es selbstwirksam, stark und begabt ist. Es lernt, dass es Situationen nicht hinnehmen muss, sondern aktiv gestalten kann.


Weiterhin kann ein Kind sich dann positiv entwickeln und innerlich stark werden, wenn es sich als Teil einer sozialen Gemeinschaft fühlt. Das kann die Familie ebenso wie andere, auch institutionelle Einrichtungen wie Kindergarten oder Schule sein, solange sie geprägt sind von Stabilität, positivem Zusammenhalt, einem wertschätzenden Klima, angemessenen Leistungsanforderungen, positiver Verstärkung und transparenten sowie konsistenten Regeln.


Im Umgang mit Grenzüberschreitungen, Regelbruch und Fehlverhalten ist ein konstruktiver Umgang entscheidend. Wenn man einem Kind auf ein Fehlverhalten hin mit Strafe, Liebesentzug und Abwertung begegnet, schadet man seinem Selbstwert und fördert Resignation und Selbsthass. Wenn man dagegen gemeinsam mit dem Kind nach Handlungsalternativen sucht, es ermutigt, sich um Wiedergutmachung zu bemühen und die Situation aktiv und positiv zu verändern, dann lehrt man es einen konstruktiven Umgang mit den eigenen Fehlern.

Das Gleiche gilt auch beim Umgang mit Misserfolgen oder Scheitern.

Gerade diese „Negativsituationen“ sind es, die die Möglichkeiten bieten, die Resilienz bei Kindern zu stärken und sie für die Zukunft handlungsfähig zu machen. Den „aus Fehlern lernt man“.


III.Was Kinder stark macht


Das Resilienz für das Leben unserer Kinder immer wichtiger wird, ist uns wahrscheinlich klar. Denn unsere Welt entwickelt sich immer schneller und stellt unsere Kinder in ihrer Vielfalt an Möglichkeiten und Anforderungen vor große Herausforderungen.

Zusammengefasst gibt es aber sowohl Zuhause als auch in Betreuungseinrichtungen Möglichkeiten, Kinder in ihrer Resilienz zu stärken:

- Eine positive Welt- und Lebensorientierung der erwachsenen Bezugspersonen

- Die Erfahrung von Empathie und aktivem Zuhören der Erwachsenen

- Zuwendung, Respekt und Akzeptanz

- Wertschätzung der kindlichen Leistungen

- Konstruktiver Umgang mit Scheitern und Fehlern

- Klare Strukturen mit nachvollziehbaren Regeln und Grenzen

- Der individuellen Entwicklung angemessene Aufgaben im Alltag und Haushalt


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